Die Krise in der stationären Pflege

Veröffentlicht am Sonntag, 24. August 2014 11:02

Die einstmals als alleiniges Heilmittel gepriesene Privatisierung im Sozialbereich offenbart immer stärker eine Krise, die mit betriebswirtschaftlichen Mitteln nicht überwunden werden kann: Der Zwang, Gewinne zu generieren, führt immer weiter in eine Abwärtsspirale mit Leistungsverdichtung und Lohndumping auf der einen, sowie steigenden Pflegekosten bei sinkender Qualität auf der anderen Seite. Pflegepersonal und Heimbewohner werden damit gleichermaßen zu Opfern der Profitwirtschaft. Daran werden auch die künftigen Pflegestärkungsgesetze des Bundesgesundheitsministers Herrmann Gröhe kaum etwas ändern: Zwar sollen ab Januar 2015 etwa 500 Millionen Euro in zusätzliches Pflegepersonal investiert und die Pflegedokumentation vereinfacht werden, doch ist nicht wirklich davon auszugehen, dass die neuen Mittel nicht auch wieder über entsprechende Umwege zu großen Teilen in den Taschen privater Investoren versickern werden. 

 

Auch in Mülheim offenbart sich die Krise des Privatisierungswahnsinns immer häufiger: Schienen die Wogen der Empörung über den akuten Pflegenotstand im Pflegezentrum Bonifatius am Hingberg zunächst geglättet, zeigt sich immer mehr, dass die bestehenden Probleme in Wirklichkeit nicht gelöst wurden. Der Betreiber, die private Maternus AG, brachte im Juli zwar eine „Task-Force“ zur Mängelbeseitigung in Stellung, so das der von der städtischen Heimaufsicht verhängte Belegungsstopp am 18. Juli wieder aufgehoben werden konnte, eine dringend notwendige Personalaufstockung für einen intakten Heimbetrieb blieb jedoch aus. So stehen bis heute nur ganze drei Pflegekräfte für etwa 40 Heimbewohner zur Verfügung. Damit die undurchsichtige Situation zwischen dem Heimbetreiber und der Stadt endlich transparent wird und Druck auf die Beteiligten aufgebaut werden kann, fordert WIR AUS Mülheim nun die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts der städtischen Heimaufsicht. 

 

Ein weiteres Sorgenkind ist das Senioren-Wohnheim Engelbertusstift an der Seilerstraße: Infolge der Insolvenz des Betreibers wird dort das Gebäude zwangsversteigert - nach Angaben der Gläubigerbank beträgt die Grundschuld 3,9 Millionen Euro, die es zu decken gilt. Das Höchstgebot von 3,55 Mio. Euro einer Immobilienmanagement-Firma war der Gläubigerbank allerdings zu niedrig. So wurde die Versteigerung vorerst ausgesetzt und ein neuer Termin muss nun anberaumt werden - Ausgang ungewiss. Eines ist aber jetzt schon klar: Für das Geschachere zwischen Banken, Investoren und Insolvenzverwaltern werden am Ende wieder diejenigen bezahlen, an die im Moment sicher keiner denkt - die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner. Denn um möglichst schnell Gewinne erwirtschaften zu können, muss der hohe Kaufpreis für das Gebäude am Ende wohl durch Mietsteigerung ausgeglichen werden. Die bezahlen dann letztendlich wieder die Seniorinnen und Senioren, sowie ihre Angehörigen.

 

Anbei finden Sie das Schreiben der Bonifazius-Mitarbeiter: